Wielenberg
Wielenberg in Südtirol nahe Bruneck gelegen, ist ein Ortsteil (Fraktion) der Gemeinde Percha. Hans Christoph Schöll schreibt in seinem Buch "Die drei Ewigen" über Wielenberg:
Weiter aufwärts im Pustertal, östlich von Bruneck, trifft man auf das stattliche Dorf Percha, und zu diesem gehört als Filiale Wielenberg, wo sich gleichfalls eine Kultstätte der hl. drei Jungfrauen befindet. In dem Kirchlein steht hinter dem Hochaltar geschrieben: "Im 11. Jahrhundert wird hier eine geweihte Kapelle genannt. Sie wurde grösstenteils neu erbaut 1529 und renoviert 1874-1898." Das Hochaltarbild zeigt die hl. drei Jungfrauen. Über ihnen eine Mutter Gottes, darunter gleichsam von Christus mit der Fahne geführt, die drei Jungfrauen mit Krone, Nimbus und Lilien tragend. Die Mäntel sind lila, grün und blau, ebenso die Gewänder verschiedenfarbig. Die Aussenseite der Orgelempore trägt das Bild der personifizierten drei christlichen Haupttugenden, drei Frauengestalten mit Palmen und mit den Attributen von Glaube, Liebe und Hoffnung, was wieder auf die Vermischung der hl.drei Jungfrauen mit Spes, Fides und Caritas hindeutet.

Altarbild
Die hl. Schwestern Fides (Glaube), Spes (Hoffnung) und Caritas (Liebe) sowie ihre Mutter, die hl. Sophia (Weisheit), waren frühchristliche Märtyrerinnen . Sie sollen im 2. Jahrhundert, ihr Märtyrium erlitten haben. Die Namen der drei Jungfrauen personifizieren die sogenannten "Theologischen Tugenden". Ob sich diese symbolische Deutung der drei Heiligen schon im 11. Jhd. in Wielenberg durchsetzte, ist bisher noch nicht erforscht.

Bild an der Empore
Hans Christoph Schöll ist offenbar entgangen, daß sich in Wielenberg noch ein drittes Abbild der drei Jungfrauen befindet. Es zeigt diese auf einer Fahne, mit dem für Märtyrer üblichen Palmenzweig und dem Schwert als Marterinstrument. Man kann sicher davon ausgehen, daß diese Fahne bei Flur- und Bittprozessionen mitgeführt wurde. Die Rückseite der Fahne zeigt, links den heiligen Martin. Daneben die zwei Patrone des Kirchleins. Johannes der Täufer und vermutlich der hl. Kolumban der Jüngere, mit Pilgerstab. Kolumban war österreichischer Landesheiliger. Er gründete in Bobbio, Oberitalien ein Kloster. Dort starb er 612.

Darstellung auf der Fahne Rückseite
Ein umfassendes und getreues Bild vom Wirken des hl. Kolumban und Gallus auf Schweizerboden hat Professor Fritz Blanke, Ordinarius an der theologischen Fakultät der Universität Zürich, geschrieben in seinem Buch «Columban und Gallus, Urgeschichte des schweizerischen Christentums», erschienen 1940 im Verlag Fretz & Wasmuth in Zürich.
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In Tuggen erlebten die Irenmönche den ersten Zusammenprall mit
dem alemannischen Heidentum. Über die Tuggener Erlebnisse berichtet Wetti: Der
Ort habe gefallen, aber die verkehrten Gewohnheiten der Bewohner missfielen.
«Grausamkeit und Bosheit herrschten unter ihnen, und sie waren dem Aberglauben
der Helden ergeben. Als daher die Diener Gottes unter ihnen ihren Wohnsitz
nahmen, lehrten sie dieselben, den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist
anbeten.» Als Gallus begann, die Tempel der Heiden niederzubrennen und das, was
den Göttern geweiht worden war, in den See zu versenken, ergriffen sie gegen
Gallus und Kolumban die Waffen des Hasses, der so sehr ihre Herzen entflammte,
dass sie nach gepflogener Beratung den Mann Gottes, Gallus, töten und Kolumban
mit Schimpf und Schande aus ihrem Gebiet verjagen wollten. Kolumban habe darum
gebetet, Gott möge mit Schande dieses Volk schlagen, damit, was es Böses seinen
Dienern zudenke, auf sein Haupt falle. Seine Kinder sollen dem Untergang geweiht
sein (Psalm 109, 13). Die Weissagung des Psalmisten möge an ihnen erfüllt werden
(Psalm 7, 17): Sein Schmerz wird auf seinen Kopf kommen und sein Frevel wird auf
seinen Scheitel fallen. Die älteste Karte der
Eidgenossenschaft die Türstsche (1495-97), zeigt, dass Tuggen, wie Wetti sagt,
im Mittelalter am Zürichsee lag. Der obere Zürichsee reichte hakenförmig um den
Buechberg herum und bespülte auch die Ufer von Tuggen. Dieser mittelalterliche
Tuggenersee ist heute versumpft. Wie heute war Tuggen zur Kolumbanszeit ein Dorf
(Villa), das für die Iren darum bedeutend war, weil es eine
heidnisch-alemannische Kultstätte barg. Die Behauptung, dass in Tuggen
Holztempel als Stätten der Gottesverehrung bestanden, nimmt Blanke als zu Recht
bestehend an. Fraglich scheint ihm, dass eine Mehrzahl von Tempeln da war. Die
Tuggener Tempel enthielten wohl Weihe(Opfer-)gaben, wie sie auch sonst als
Inhalt germanischer Heiligtümer bezeugt sind. Da die Tuggener Votivgeschenke in
den See versenkt wurden, waren sie offenbar aus Metall. Blanke nimmt an, dass um
550 Alemannen nach Tuggen gekommen seien und also bereits zwei Menschenalter vor
Kolumbans Erscheinen dort weilten und die dortige Kultstätte der religiöse
Mittelpunkt des Landstrichs war. aus: Paul Letter - Die Schweizer Kulturgemeinschaft im Lauf der Jahrhunderte |
Häufig finden sich dort, wo die drei Jungfrauen Fides, Spes und Caritas verehrt werden, Spuren eines vorzeitlichen Matronenkultes. Dies vor allem in der Eifel und dem Köln/Bonner Raum. Es dürfte kein Zufall sein, daß sich der Kult der römisch/keltischen fruchtbarkeitsspendenden Matronen mit dem Kult der christlichen Jungfrauen deckt, die ebenfalls für das Gedeihen von Frucht und Vieh angerufen wurden. Hieraus ist die Nachfolge aus dem heidnischen Kult zu ersehen.
In vielen Fällen wurden auf die alten Kultplätze neue Kirchen und Kapellen gebaut, in die man die neuen Heiligen einziehen ließ. Dies war eine Anordnung des Heiligen, Papst Gregor I. Wenn die Kirche es nicht vermochte, alte Kultplätze oder althergebrachte Frömmigkeitsformen der ländlichen Bevölkerung zu beseitigen, wurden diese verteufelt oder man gab ihnen eine neue, christliche Bedeutung. Nicht nur im Alpenraum finden sich Zeugnisse, die auf einen vorchristlichen Dreifrauenkult verweisen. Im allgemeinen spricht man dabei von den "Drei Bethen", mit seltsamen Namen wie Ambet, Wilbet und Borbet. Mitunter sind die Namen, je nach Dialekt, etwas abgewandelt. Vor allem in Südtirol ist auch von den "Drei Saligen" die Rede .
Die Namen werden als keltisch, auch als steinzeitlich bezeichnet und einer Trinität weiblicher Gottheiten zugeschrieben. Viele Orte leiten ihre Namen von dieser Dreiheit ab. In Deutschland wird in diesem Zusammenhang häufig Worms genannt, dessen alter keltischer Name Borbetomagus (Acker der Borbet) lautete. Dieser Name wird auf die Sonnengöttin Borbet zurück geführt. Es gibt etliche dieser Beispiele. Noch im 11.Jhd. nannte der Erbauer des Wormser Domes, Bischof Burchard, die Verehrung der drei Frauen als Sünde. Offensichtlich hat das Verbot seinen Zweck nicht erfüllt, denn in der Taufkapelle des Wormser Domes befindet sich ein Steinrelief mit Embede, Warbede und Wilbede. Hans Christoph Schöll berichtet von insgesamt 21 Kirchen, in denen die "Drei Jungfrauen" als Heilige, alleine oder zu dritt, auf dem Altar stehen. Hier bei uns in Hessen führt die Stadt Weilburg ihren Namen auf Wilbeth zurück.
Alleine der Name Wielenberg (Wilbeth) und die Verehrung der drei Frauen legen den Verdacht nahe, daß hier in alter Zeit eine oder mehrere Göttinnen verehrt wurden. Zudem gibt es neuerdings in Wielenberg Funde, die auf einen alten Kultplatz schließen lassen. Neben einem Kalenderstein fanden sich einige Artefakte, deren Bestimmung zur Zeit noch untersucht werden. Die Fundstelle befindet sich auf einem Gelände, dessen Name unschwer als keltisch identifiziert wurde. Ebenso haben einige Flurnamen in der Umgebung keltische Ursprünge, die Etymologen als Kult- oder Versammlungsplätze wie auch als die Göttin verehrende Plätze ausweisen.
Dies könnte auch bei dem eingangs erwähnten Ortsnamen Percha zutreffen. Der Name wird auf das bajuwarische Perach für Berg und Bach zurück geführt. Mit dem Wissen um die vorchristlichen Göttinnen, die mit der Perachta, auch Percht und Percha genannten Göttin, im Tiroler Raum in Sagen und Brauchtum gerade im Pustertal einen gewissen Platz einnimmt, müßte man die Herkunft des Ortsnamens vielleicht noch einmal überdenken. Auch hier könnte durchaus eine Kultstätte der Borbeth existiert haben, wie ein etwa vier Meter langer Stein vermuten läßt, der seinen Platz am Eingang zur Kirche einnimmt.

Der Menhir in Percha