Dem Geheimnis der Hofheimer Ambet auf der Spur
Helmut Schoppa, der Leiter der Ausgrabungen auf dem Hochfeld in den Jahren von 1955-1967, nach ihm ist auch die Straße auf dem Hochfeld benannt, hat in vielen wissenschaftlichen Publikationen über seine Arbeit in Hofheim berichtet. Ein für Hofheim in kultureller Hinsicht wichtiger Aufsatz von Schoppa in dem Buch „Marburger Beiträge zur Archäologie der Kelten“, in dem Fundberichte der Landesarchäologie aus Hessen enthalten sind, war bisher in Hofheim nicht bekannt. Unter der Überschrift “Zu einem Steinrelief aus Hofheim“ und der Unterzeile “Ein Denkmal keltischer Tradition?“ beschreibt Helmut Schoppa einen Fund in dem vicus des Steinkastells Hofheim. Sehr viele Kleinfunde wurden damals in der römischen Siedlung gemacht, die jedoch keinerlei Inschriften besaßen.
Umso erfreulicher war es für die Archäologen, daß wenigstens ein figürlich verzierter Stein gefunden wurde. Dieser Stein trägt auf der Vorderseite in grobem Umriß eine menschliche Gestalt, die die Arme in die Hüften stemmt. Auffällig ist der primitive Charakter der Darstellung, was die Datierung und Deutung des Fundes erschwert. Es gibt Beispiele dafür, daß solche Steine als Grabrelief oder als Weihedenkmal (Betstein) gedient haben. Hier möchte ich noch einmal auf Fritz-Rudolf Herrmann “Archäologische Denkmäler in Hessen“ Nr.30 hinweisen. In diesem Heft des Landesamtes für Denkmalpflege Hessen wird das vermutliche Heiligtum auf dem Kapellenberg beschrieben, welches durchaus den henge-monuments gleichzusetzen ist. Die Deutung unseres Hofheimer Steines als Grabdenkmal beschreibt Helmut Schoppa auf Grund der Fundlage innerhalb des vicus als unmöglich. Über das Geschlecht sagen die Striche über der Stirn, die das Haar andeuten, nichts aus, jedoch werden die Punktreihen über den Oberarmen als bedeutungsvoll angesehen. Die Erklärung hierfür wäre ein angedeutetes Kleidungsstück mit halblangen Ärmeln, das auf dem Arm mit einer Reihe von Knöpfen verziert ist. Darin sieht Helmut Schoppa die weiblichen Attribute der Figur und nimmt für diese einen göttlichen Charakter an. Im Denkmälerbestand sind solche primitiven Darstellungen göttlicher Wesen nichts ungewöhnliches und auch in der provinzial-römischen Kunst häufiger anzutreffen. Schoppa verweist dabei auf einen Viergötterstein aus Mainz, bei dem eine der Figuren gleich einer Laubsägearbeit, völlig ohne Attribute, flach wiedergegeben ist. Ferner nennt er noch einen figürlich verzierten Felsblock mit der wahrscheinlichen Darstellung der drei Matronen.

Die Einzigartigkeit der Hofheimer Figur zeigt, daß diese keine typische aus der keltischen Latenezeit stammende Plastik ist. Dies alleine ist schon begründet durch die in die Hüfte gestützten Arme, wobei derartige Götterdarstellungen nicht ungewöhnlich sind. Wir wissen nicht, aus welchem Kulturkreis diese sicherlich mütterliche Gottheit kommt, so beendet Helmut Schoppa seinen Artikel und schließt letztendlich keltische Einflüsse nicht aus. Dieser Beitrag bestätigt alle bisherigen Vermutungen und Hypothesen bezüglich der Hofheimer Ambet, als einer Muttergottheit aus grauer Vorzeit, zudem er aus der berufenen Feder eines allseits anerkannten Wissenschaftlers stammt. Auf jeden Fall wird durch Helmut Schoppa’s Beitrag aus dem Jahre 1969 der Mythos der die Hofheimer Ambet umgibt etwas aufgehellt. Eine Kopie des Steines befindet sich im Hofheimer Stadtmuseum in der Dauerausstellung: Archäologie/Römer. Weitere Abhandlungen über die Hofheimer Ambet sind nachzulesen bei: Hans Henninger, “Die Hofheimer Ambet“; Dr. Erika Haindl, in MTK-Jahrbuch 2003, S.103, “Die Hofheimer Ambet“; Norbert Firle in Hofheimer Zeitung, November 2002, “Die Ambet-Hofheimer Mythos“ .