„In der Witz“ gibt es nichts zu lachen.

Schon oft habe ich darüber nachgedacht, woher der Flurname in der Witz stammen könnte.

Einige der Flurnamenforscher meinen dazu, daß  der Name „Witz“ auf Weizen hindeuted.

Daß ist naheliegend und auch nicht ganz auszuschließen.

 

Ich hätte den Namen eher auf die „Wiese“ zurück geführt. Denn Witz und der volksethymologische Ausdruck für Wiese „Wiß“, sind dabei doch sehr naheliegend.

Zudem ist aus alten Stadtplänen bekannt, daß der ganze Flurbereich zwischen der Stadtmauer am Untertor und dem Schwarzbach den Flurnamen „ In der Witz“ trug.

Dicht bei den Ortschaften waren eher Wiesen als Weizen, was ja auch die Flur „Im Angel“ belegt.

-Dorfnahes Wiesengelände mit Allmende Merkmalen-

 

Wit hat außer Weide auch die Bedeutung von Holz. Speziell als Brennmaterial.

Aus den Rechtserinnerungen in  Hofheim kennen wir den Wittag. Ein Tag an dem die Bevölkerung Holz aus dem Gemeindewald auflesen durfte.

 

nach Bartolomäi aber ist in der wochen

der mittwochen zum wittag geordnet, auß welchem                                 (Holztag)

auß jedem hauß nit mehr alß einer persohn

ein gebundt zu holen erlaupt ist.

 

An den ungebotenen Dingtagen, mußten die Rechtserinnerungen jedesmal verlesen werden.

Darin ist auch das Verbot, Holz zu „klausen“, niedergeschrieben. Klausen, so wird verschiedentlich der Holztransport zu Wasser bezeichnet. Schmeller bezeichnet Holz zum Flößen als „Witz“.  Somit könnte die Hofheimer Witz, auf einen ehemaligen Holzplatz zurück zuführen sein, von dem aus das Holz zu Wasser gelassen wurde. Wie schon beschrieben, dürfte es sich dabei um Brennholz oder auch Bauholz gehandelt haben. Langhölzer konnten auf dem Schwarzbach bis nach Okriftel in den Main geklaust (triften, flößen) werden um von dort nach Holland zu gelangen. Zum Flößen genügte schon eine geringe Wasserhöhe von 50-75 cm. Das Brennholz, Stücke von ca. einem Meter wurden Klafterweise zusammengebunden und getriftet, wobei der Wassertransport des Langholzes, Flößen  genannt wurde.

 

wie es (das holz) durch riswerch zu land werd pracht,

darnach geklaust auf pächen klain

und gtriben uber stock und stain.

 

Im übrigen hieß ein Platz in Regensburg Witfend, wo Holz zu Wasser herbeigeführt oder verkauft wurde.

 

Ein weiterer Hinweiß darauf, daß Holz von Hofheim geflößt wurde, könnten die in der Nähe zur „Witz“ liegenden Flure im „Unteren und im Oberen Floß“ sein. Nicht zuletzt auch der Floßwald selbst, aus dem 1692,  ca. 200 Stämme für Holland geschlagen wurden.

 

Die Adresse „In der Witz“, gibt es auch in dem Wiesbadener Stadtteil, Mainz-Kastell. Wie soll es auch anders sein, unweit davon liegt das Königsfloß

wie auch die Flößerstrasse

 

Langholz wurde auch auf dem sogenannten Holzweg zum Main transportiert.

Er führte von Hofheim aus dem Wald kommend, über Kriftel nach Eddersheim. Hier nahmen Schiffe oder Flößer die Ladung entgegen, um sie weiter nach Holland zu transportieren. Dort wurden damit Schiffe und Häuser gebaut.

 

Und wenn jetzt jemand meint, mit „wide“ könnte auch ein Platz benannt worden sein, auf dem der Flachs, im Gegensatz zur Wässerung, der Witterung wegen zum „rösten“ ausgesetzt war, so gebe ich ihm vollkommen recht.

 

 

Wörterbücher: Grimm; Schmeller; „Das zweite Hofheimer Gerichtsbuch“,  Hans Ulrich Colmar und andere.

Roswitha Schlecker: Vortrag über den Hofheimer Wald 2003