
Firle
Das linke Wappen ist bei Rietstap und Siebmacher falsch abgebildet. In der Wappenbeschreibung der Verleihungsurkunde hält Justitia das Schwert in der rechten Hand. Das Vorbild ist die Justitia an der Görlitzer Rathaustreppe. Der Wappenbrief wurde am 21.12 1633 in Wien, an Michael Firle den Oberältesten der Görlitzer Tuchmacher verliehen.
Unser Name wird von Etymologen auf das langobardische Faro zurückgeführt. FARO 1.w. „Fahrt“, langobard. Fara „Geschlecht, Familie“ angels. Faru, mhd. var „Fahrt, Reise, Zug“. FN. Faraman: Fährmann, Fehrmann. Einst. Kürzung Faro: Fahre-Fehre. Gen.Vehrs; Vehrens. Patr. A. Fehring; Firing. Patr. Zss. Fehrensen. Vklf.(l): Fehrle. Patr. A. Ferling. Alles klar?
Verbreitung des Namens in Deutschland s. Karte
Was fällt Grimm in seinem Wörterbuch zu Firle ein.
FIRLEFANZ, m., von fanz wurde oben sp. 1320 und 1, 203 unter alefanz geredet, es musz einen frischen, lustigen kerl oder schalk, scurra, nebulo ausdrücken. noch dunkler zu liegen scheint der composition erster theil. wenn aus ags. feor procul sich ein weiteres adv. feorla, wie aus altn. âr mane ein ârla ableitet, dürfte auch beim goth. fairra an assimilation aus fairla gedacht werden, so dasz die zum grund liegende partikel fair sich nach zwei seiten hin in fairra = fairla und fairnis vetus erweitert hätte, woneben auch pà_`w aus pàrsw (sp. 1532) besteht. nicht anders wäre ahd. fër auf fërr, dies auf ein unerhörtes firlo, fërlo zurückzubringen. von fairla könnte im alterthum, das über unsre geschichte hinausreicht, ein nomen fairls, von firlo ein firl, firil, mit dem sinn von fremdling, alienigena, e longinquo advena entsprungen sein, auch fremdling stützt sich auf die partikel fram. in firlefanz entdeckten wir also ein synonym von alefanz und ein gleich altes. bei WEINHOLD 20b ist firl, ferl ein hurliger mensch, gefirle behende, das stimmt merkwürdig. kein ags. feorl neben feorla vermag ich aufzuweisen, doch das ähnliche feorlen longinquus aus Luc. 15, 13.
Was
Grimm im Angelsächsischen nicht fand, das habe ich vor einigen Jahren in der
Uni-Bibliothek Frankfurt, im Domesday Buch gefunden. Ein Landregister angelegt
von Wilhelm dem Eroberer. Es geht um die
Ortschaft Firle bei Lewes in Südengland. Britische Etymologen führen das Wort
auf Firolaland (A.D. 790) zurück, was
soviel wie ’Land der Firles’ bedeuten würde. Ein Professor Ekwall führt eine
Verbindung aus dem langobardischen fereha an. ahd. fereh-eih, ’Eiche’.
Weiter heißt es dort: There may have existed in Old
South Saxon a derivative fiere (von ferhjon*) with the same meaning. Eine
natürliche Ableitung davon sei *fierol, ein Platz bedeckt mit Eichen. Wobei man
bei dem englischen „fir“ tree doch eher an eine Tanne oder Föhre denken
könnte.
West Firle [ f /\ rel ], Ortschaft, Ferla, Ferle 1086 DB, Ferles 1189, Fierles 1202, Firle 1271, Ffirley 1538, Firley, Fyrle 1648
Bei der Eroberung durch die Normannen 1066 war Firle in Königshand. Seit 1440 sitzen auf Firle Castle die Chevalier 1486, Baronet 1622, Vicomte 1720 und Lords Gage aus Frankreich ? In der Normandie gibt es den Namen Cage.
Weiter mit
Grimm :
auf diese noch unausgemachten deutungen folgt
nun die reihe der zeugnisse für das wort selbst. warum sollte es nicht schon
ahd. und mhd. gegolten haben? die denkmäler gehn daran vorüber, wie an vielen
andern ausdrücken. der fremdling hatte einen neuen wunderlichen tanz ins land
gebracht und die weise dazu, die bauern erhielten ihn am längsten, sein name
blieb auf tanz und weise haften, wie man späterhin galliarden, französische und
schottische tänze einführte.
Hier spielt Grimm auf den Tanz Firlei, Firlefei oder auch Firl und Firle genannt an. Während Grimm, wie weiter unten zu lesen ist, den Tanz als einen "wilden Tanz" beschreibt, scheint er mir doch eher ein höfischer, gemächlicher Reihentanz gewesen zu sein. Dieser Tanz schon früh in Frankreich 1280 im afrz. Vireli (Vire, drehen) erwähnt. Im 13.Jhd. zu Virelay (’lai’ Gedicht) umgestaltet. Ausgesprochen “VIRLЄ“. Beispiel eines solchen Tanzliedes von Guill. Machaut findet man hier.
Doubles
hoques et plusieurs lays
Motes, rondians et
virelais
Qu’on claimme chansons
baladees
Complaintes,
balades entees.
Virol frz.- Umdrehung,
Virola frz. - ein Spielzeug : „ Kreisel oder Windmühle“.
Virolet
frz. - „
Mühlchen“ (Spielzeug).
Weiter findet man bei Grimm:
gar weidelîch trit si den firlefanzen. Oswald v.WOLKENSTEIN s. 117,
do pfeif er ir den firlefanz
wol nach der dörfer site,
do tanzten
sie den hottostan,
der edelman kam selber dran
und wolt auch tanzen mite,
ja mite.
bergreien 117. UHLAND 647;
das lernt ich an eim abendtanz,
da wir hielten den firlefanz.
froschmeuseler Nn 6b;
tanzen wir den firlefanz von Schwaben! Noten dazu, schrieb Melchior
Franck
sie sind nicht all an diesem reihn, in einem Quodlibet,
1662.
die wir sollen haben.
Weimar. jb. 3, 130;
Offensichtlich geht der "Schwabentanz" auf eine der ältesten Tanztraditionen zurück, deren Tanzform als Kettentanz weit über die Grenzen Deutschlands hinaus verbreitet war. Vermutlich ist der Tanz identisch mit dem im 12. Jahrhundert von den Minnesängern erwähnten Firlefei. Im Zusammenhang damit werden die dabei ausgeführten "hoche Sprüng" erwähnt. Das es sich dabei um einen Bauerntanz handelt, ersieht man aus einer aus dem Jahre 1533 stammenden Erwähnung, in der dieser Tanz als "Firlefanz, nach der Dörfer Sitten" bezeichnet wird. Ein Firlefanz von Schwaben wird auch 1560 in dem Liederbuch "Etliche Teutsche Liedlein" aus Königsberg erwähnt, bei dem die "Tanzenden einher traben". Der Tanz wurde noch 1720 getanzt. In einer Aufzeichnung von Becker 1797, schildern die Gebrüder Grimm den Tanz in einer alles mitreißenden Form.
so ward een minsche noch mit velem eten
plaget,
mit supen aver macht,
bet en de spelman jaget
mit siner frölicheit. den kümpt de bruet inn
danz,
de brögam maket er en groten firlefanz.
LAPPENBERGS Lauremberg s. 117;
kumt Marten Dudebrok und bringt em enen
dans,
Hans Hohn de makt em dar een groten firlefans.
s. 137.
doch mit der zeit verdunkelte sich der bezug
auf tanz und weise und das wort bezeichnete, wie alefanz, blosz etwas
altfränkisches, läppisches oder geckenhaftes, eulenspieglisches: für seinen
federposch trug er ein schöne, lange, hohe, ploe feder. diser firlefans lappet
im lustig uber das recht or herab, wie den zimmerleuten die hanenfedern. Garg.
119a; STIELER 486 erklärt firlfanz gesticulatio,
praestigiae; Estor meldet, dasz zu seiner zeit, in Hessen, wenn man dem gesinde
vorhalte, es esse zu viel, die antwort folge:
wenn ich heisz firlefanz
und wär unter der nas ein gans;
ihr firlefanze, flügelmännische riesen!
GÖTHE 41, 325;
hört
ihr den schwäbischen wirbeltanz?
lirum trallarum herbei!
mag ein
pedantischer firlefanz
rufen sein ach und sein ei!
HAUGS walzerlied im musenalm. 1791 s. 9,
wo der misverstand des worts, das gerade
einen Schwabentanz ausdrückt, desto unglücklicher ist; ich habe den arzt so
angeschnauzt, dasz er hinaus ist, der unerträgliche firlefanz. GEO.
FORSTERS briefwechsel 2, 650; schon bei HENISCH 1094, 3 steht fierilafanse laser medicum,
asa foetida, teufelsdreck, was firlefanz sein
soll.
Es ändert sich die Bedeutung des Wortes
Firle, welches ursprünglich einen Tanz bezeichnet hatte, zu dem im heutigen Sinne
bekannten Firlefanz.
Bey Meister Firlefantz lernt springen nach
der Geigen. J.Rachel safiren
70Ndr.
Im sächsischen Wörterbuch findet man
einiges über Firle. Haben die Angelsachsen das Wort vielleicht doch nach Südengland
gebracht?
Gewachsen wie eine Firle =
schlank
Firlefanz ein flinker, behender Mensch.
Firlefix drollig=flink,
zappelig.
Itzund wird mit läßschen Ferlevanzen unser
Herr Markolphus tanzen
Der will mit krummen Ferlefantzen die
Scheeren=Serebande
tanzen
Immer wieder wird der Name im
Zusammenhang eines Tanzes erwähnt. Nicht zuletzt durch meinen fable zu
mittelalterlichen Musikinstrumenten, führe ich die
Herkunft unseres Familiennamens auf den Tanz zurück.
Ferle. (sächs.Wb)
Spielzeug nach Art eines Kreisels,
meist nur ein Knopf mit einem durchgesteckten Hölzchen, dessen langes Ende mit
Daumen und Zeigefinger gedreht wird; sich wie ein Ferlchen im Kreise rumdrähn;
tanzen, laufen wie ein Ferle; das geht wie ein Ferlichen, die is fix; munter wie
ein Färlchen; schlanker, hurtiger Mensch; sie drehte sich gleich einer Ferle auf
einem Beine herum
usw.
Fiedel, Feddel= Pranger
Diese
Frau hab ich nun 4 Jar in den Feddel
stellen lassen ihres bösen Mauls halben (1599)
Dazu gehört auch die Redensart: Feddel, Ferl
enes Hulz, nösn. ’t äs Firl enes Holz, gleich übel, gleich leichtsinnig. Firl in
der Ra. ed äs Firl enes Holz(es). s.
Fiddel.
Verwandte Wörter:
Vyrallei 1283 Lux. In Bruder Hermann, Leben
der Gräfin Jolande v. Vianden
ferlin- mhd.verhelin –
Ferkel
firlic-
ahd. virelic – feierlich
ferahes ahd.- Geist
fireo - Leute
virio- Menschen
verit
–fährt
Namen
Henric Virlinc Köln 1178
Buchardus dictus Verli Basel
1289
Johann der Verler in Freiburg
1292
Cunrad Verlin in Hondingen 1307
C.der Vierling 1316 Bayern
Heintze Verlin in Speyer 1354
Virley Nürnberg 1363
Virley Esslingen 1409
Peter Verler=Verlein in Freiburg
1432/35
Peter Vierling Liegnitz 1481
Jakob Vierling Liegnitz 1486 Vater von Jorge
Vyrle, Virley
Georg Virlinger Engelszell 1498 Linz Österreich
Hans Firler Magdlos 1562
Susanna Firle Flieden 1585
Hans Firling Magdlos 1614
Paull Virling Magdlos
1614
Ferley so schreibt ein Etymologe, kommt wohl von Verley. Eine Zusammensetzung von “Von der Leye“ Er bezieht sich dabei auf eine Wetzlarer Urkunde und glaubt an die Bedeutung, Sohn oder Gatte von der Frau Lye (Leye), dem Namen der Elisabeth in hess. Adelskreisen. Zum Beispiel wie im ndrh.Verley- Von der Leye, Verbeek- Von der Beek, Vermeer- Van der Meer…..
Sollten die Firles aus Flandern kommen, wie
auch schon vermutet wurde, dann könnten die folgenden Ortschaften damit etwas zu
tun haben. Auf Karten, die Besiedlungsströme von West nach Ost darstellen
(1100-1500), sind jedenfalls keine Flamen zu erkennen, die sich im hessischen
Raum niedergelassen hätten. Diese Züge gingen aus Frankreich oder Flandern kommend
nach Norden und
Nordosten.
Verlee, Provinz Namur Belgien
Veerle, Provinz d’ Anvers Belgien
Verle 1286
Veerle
1649
Eher ist zu vermuten, daß die große Firle
Population in der Lausitz und Schlesien, sowie Firlej in Polen, ihren Ursprung
aus den Hauptausgangsorten von Thüringen/Hessen genommen hat.
Ein anderes Beispiel des Namens erfuhr ich von Frau Katja Limbeck, deren Mitteilung ich hier Auszugsweise wiedergebe.
Meine Grosseltern hießen Firley. Mein Grossvater (Jahrgang 1908) stammt aus Königsberg. Er wurde zu Schulzeiten immer
FIRLEFANZ genannt- wie
Sie!!
Die Familie Firley stammt eindeutig
ursprünglich aus Ostpreussen, Königsberg/Stralsund.
Im Stralsunder Liber Memoralis (Teil1, Fol.1-60) ist eine Familie Fyrelyf, Johannes bereits 1379 erwähnt, da sie wohl eine Spende an ein Kinderheim oder Ähnliches gemacht hatten. Auszug aus dem Stralsunder Stadtbuch 1379 circa Jacobi (also um den 25. Juli):
„ Nicolaus Rambow et Johannes Fyrelyf
promiserunt dominos consules habere cautos et servare indempnes de omnibus bonis
hereditariis, per obitum Nikolai Stephani, occisi in Stettin, derelictis, ibidem
per Hermannum ….. „
Stralsund war im Mittelalter eine
wichtige Hanse-/Handelsstadt mit engen Beziehungen bis nach England und Flandern
im Westen, so heißt es im Buchdeckel!! Vielleicht kamen die Firle- Firleys
tatsächlich über das Meer nach Deutschland..??!!
Andere
Funde
Firles Irland
Kerry
Firlejow
Galizien Rohatyn
Firlejowka
Galizien Zloczow
Firlus
Dorf in Westpreussen Marienwerder Kulm
Virle Lombardei
Virle Piemont
Fierlbach bei
Straubing
Firlesee
in Sachsen
Firlestrasse
in München, benannt nach dem Maler Walther Firle +
Firlstrasse
in Berlin, benannt nach dem Widerstandskämpfer Herbert Firl +
Firle
Luise + Autorin
Firle
Rudolph + Admiral, Autor versch.Bücher. Schrieb ein Buch über Firle. War
Träger des Firle Wappens
Otto
Firle + Architekt in Berlin,
Susanne
Firle verh. Ehrichsen+ Erste Miss
Germany
Im Jahre 1527 stand Jorge Firle, als Ältester, der Tuchmacherzunft in Görlitz vor.
1525 noch durch einen Stadtbrand zurückgehalten, bei
dem 70 Häuser der Tuchmacher vernichtet wurden, fanden sich die Görlitzer
Tuchmacher 2 Jahre später erneut zusammen. Sie wollten mit Gewalt gegen den Rat der
Stadt Görlitz vorgehen. Mit Jakob Firle, hatten sie als Sprecher, einen
der Ratsherren auf ihrer Seite.
Die Turmuhr der Dreifaltigkeitskirche
ging um sieben Minuten vor -so ist es heute noch-, sodass die aufsässigen
Tuchmacher vom Nachtwächter entdeckt wurden, der Alarm schlug. Es floss Blut.
Neun der Tuchmacher
wurden hingerichtet. Auch Jakob wurde enthauptet.
Weitere 39 wurden mit Gefängnis bestraft
oder ausgewiesen. Einige sind geflohen. Jorge flüchtete nach Jungbunzlau
in Schlesien.
Nach einigen Jahren kehrte er zurück und wurde Stammvater eines Geschlechts, dass etwa in den folgenden 250 Jahren 23 Tuchfachleute, darunter 8 Älteste und einen Oberältesten der in Görlitz einflussreichen Tuchmacher-Zunft hervorgebracht hatte. Durch Verschwägerung mit den herrschenden Rats- und anderen einflußreichen Geschlechtern nahmen die Angehörigen des Geschlechts, großen Anteil an den Geschicken der Stadt Görlitz. Unter Ihnen ist auch Michael Firlle, dem in Wien am 21.12.1633 von Kaiser Ferdinant II. ein Wappen verliehen wurde. Deutsches Geschlechterbuch Band 25 Firle III. und Anhang Firle II.
Heute heißt die Straße in der das oben geschilderten Ereigniss stattfand "Verrätergasse". Das Tor des Grundstückes auf dem sich die Aufsässigen versammelt hatten, trägt die Inschrift DVRT. "Der Verräterischen Rotte Tor". Görlitz galt einst als die schönste Stadt Deutschlands. Ich kann dem nur zustimmen, denn man sieht es noch heute!
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