Die Ambet - Hofheimer Mythos
Im Frühjahr des Jahres 2001
zeigte das Hofheimer Stadtmuseum mit dem Titel „Am Anfang war die Frau“ Urmütter
der Steinzeit, eine Ausstellung die im Zusammenhang mit dem Mythos der Hofheimer
Ambet einen direkten Bezug zur Hofheimer Geschichte aufweist. Gezeigt wurden
Schätze, welche die Erde etwa 30 000
Jahre lang in ihrem Schoß festhielt. Mutterdarstellungen von mythischen Ahn- und
Stammesmüttern die vermutlich um Schutz und Fruchtbarkeit der Sippe gebeten
wurden. Statuetten aus Stein, Geweih, Knochen, Bein oder aus gebranntem Ton.
Wenn auch materielle Überreste aus jener
vergangenen Zeit auf uns übergekommen sind, so wissen wir jedoch nichts über die
damit verbundene Weltanschauung und geistige Lebensform. So bleibt daher nur zu
vermuten, daß die Hinterlassenschaften der Eiszeit zu den Anfängen eines
religiösen Bewußtseins gehören. Urreligionen wurden vom Kreislauf der Natur
bestimmt. Von Werden, Wachsen und Vergehen entsprechend dem Rhythmus der
Jahreszeiten. Der Lauf von Mond, Sonne und Gestirne haben eine entsprechende
Rolle gespielt. In vielen Teilen der Welt gibt es Hinweise auf die Verehrung der
großen Mutter, wobei wir selbst heute noch von Mutter Erde und Mutter Natur
reden. Sie offenbarte sich zum Beispiel in Quellen und Bächen, in Höhlen und
Steinen, auf Bergen und Hügeln, doch vor allen Dingen in
Bäumen.
Volkskundler belegen eine
Drei Göttinnen Mythologie wie sie über die Jungsteinzeit bis hin zu Germanen und
Kelten bestanden hat. Mit dieser Drei-Frauen-Gestalt tauchen Namen auf mit denen
sich auch die Sprachwissenschaft beschäftigt. Sie lauten Am-bet, Wil-bet und
Bor-bet, wobei die Namen abhängig von Dialekt und Landschaft Unterschiede
aufweisen. Dabei geht „am“ auf die in vielen Sprachen verbreitete Ursilbe
„ana/anna/anu“, auf eine Urmutter in Europa und Vorderasien zurück. So heißt die
große Göttin in Sumer „In-anna“, in Altpersien „Ana-hita“ in Altpalästina
„Anna“, auf Kreta „Dikty-anna“. In seinem Buch „Sprache der Eiszeit“ geht
R.Fester von sechs einsilbigen Urwörtern aus, die sich leicht variierend in
etlichen anderen Sprachen verfolgen lassen, bis hin zu Göttinnen in
babylonischer Zeit. In dem Wort steckt nach seiner Ansicht das Urwort „ba“ das
auch in den Variationen „ma“ oder „am“ in Mutter oder Amme vorkommt. Hier ordnet
er auch Ambet in die Altsteinzeit ein, einer Zeit des
Matriarchats.
Allein die merkwürdigen
Namen der drei Göttinnen erklären schon ihr hohes Alter, und sind ein
untrügliches Zeichen für deren Zusammengehörigkeit. Im Allgemeinen spricht man
von den drei Bethen. Die Sprachforschung in Europa stößt immer wieder auf die
Namen Ana/Dana oder Beth. Die Erdgöttin wurde germanisch Huld-ana oder Hlud-ana
genannt. Huldana bedeutet "Huldreiche" und ist zur Frau Holle des bekannten
Märchens geworden. Auch wird sie als Hel, mit
der Herrin des Totenreiches in Verbindung gebracht. Einer ihrer Namen war auch Tamf-ana,
Spenderin der Fülle (gotisch th-amba). In seinem „Altkeltischen Sprachschatz“
gibt Holder das altirische Wort an-u mit der Bedeutung „Göttermutter“ an, mit
dem das keltische andera - junge Frau verbunden ist. Aus dem Lateinischen ist
annula - Mütterchen beizuziehen. In denselben Kreis gehört das deutsche Wort
Ahne (ahd.ana) – Großmutter, Ahnfrau - Wehemutter, Hebamme. Anmal, lautet in
Bayern die Bezeichnung für Muttermal. Hinter allen Beispielen steht die
Grundbedeutung Mutter. Miteinzubeziehen ist kelt. Ana - Erde, das got. f-ani,
ahd. fenna - Moor und unser Wort Anger,
ahd. an-gar. Anhand dieser Wortbedeutungen läßt sich die erste Worthälfte von
Ambet (Ana-bet) mit „
Erde, Erdmutter, göttliche Mutter Erde“, deuten. Ambet ist die Personifizierung
der Erde. Für sie ergeben sich Namensformen wie: Ainbet, Ainbeth, Ainbett,
Ambed, Ambett, Ampet, Anbett, Anpet, Aubet, Einbede, Embede. Dazu gehören
Ortsnamen wie Ambach, Amberg, Amperbettenbach, Ainring, Andechs, Einach,
Einborn, Ennetach, Einsiedeln usw.
Wil-bet steht mit dem
englischen wheel in Zusammenhang. Die Bedeutung für „Rad“ wird auch im
allgemeinen Sinne einer Rundform überhaupt gebraucht und mit der Deutung wheel
für Scheibe, wird ein Bezug zum Mond hergestellt.Dabei sei an das in
Süddeutschland verbreitete sogenannte „Scheibenschlagen“ erinnert, welches am
„Dreifaltigkeitssonntag“ geübt wird. Dabei werden die angezündeten durch die
Nacht fliegenden Holzräder durchweg als „Scheiben“ bezeichnet. An diesen Brauch,
der laut Gustav Kyritz auch in Hofheim gepflegt wurde, erinnert uns der
ehemalige Deschweg. Heute Rödersteinweg. Hier sollen die Feuerräder in der
Osterzeit den Berg hinab gerollt sein. Weit auseinanderliegende
Namensformen sind: Wilbeth, Willbett, Wilpete, Vilbet, Bilbet, Firpet. Bil-bet
wurde an manchen Orten später durch die hl.Fel-icitas abgelöst. Die verschiedene
Schreibweise erklärt sich aus der
Kirchensprache. An Stätten ihrer Verehrung erinnern etliche Ortsnamen wie
Wielenbach, Wielpütz, Wielenstein, Willroda, Villingen, Frauwüllesheim und die
zahlreichen Beilstein und Bilstein. Dazu gehören Weilmünster, die vielen
Weilheim sowie die mit „-weil“ und „-weiler“ endigenden Ortsnamen, soweit sie
nicht von lat. villare abgeleitet werden müssen. Die Stadt Weilburg führt ihren
Namen auf die Göttin Wilbet zurück. Dieselbe Herkunft könnte dann eigentlich
auch für Weilbach zutreffend sein.
Bor-bet läßt sich durch den
keltischen Stamm borm und kelt. Bor-co mit der Bedeutung „strahlend, leuchtend“
erklären. Der Name Berchta (Perachta) bezeichnet die der Sonne zugedachten
leuchtend, glänzende Göttin. Andere Namen lauten: Barbeth, Berbet, Gberpet,
Gewer, Gewerpete, Guerre, Gwerbett, Gwerpete, Querre, Warbede, Worbet. Hierher
gehören Flurnamen wie: Borbeck, Borberg,
Bornum; bei Bit-burg, dem alten Beda
vicus liegt die Flur Burbet, in Oberfranken das Dorf Borbet.Worms führt seinen
Namen auf Borbet zurück. Borbetomagus=
Borbetfeld. (Wormatia) Im Wormser Dom findet man die Figuren der
Heiligentrias unter den Namen „Einbede“, „Warbede“ und
„Willebede“. Verblüffend ist, daß Ana
sowohl auch Bet im Mittelmeerraum besonders im Alten Orient immer wieder als
Ortsbezeichnungen auftauchen. Dazu gehören Beth-Ainon oder Eh-Beth als Heiligtum
einer Göttin oder der Göttinname Nek-Beth aus vorpharaonischer Zeit
Ägyptens. Richard Fester hat
ermittelt, daß die Orte mit Beth-Zusammensetzung in ganz West- und Mitteleuropa
verbreitet sind. Bei deutschen Ortsnamen stellt er etwa 350 Belege
zusammen. Ortsnamen die heute noch von
Verehrungsstätten der drei Beten künden: Bedburg, Bedersdorf, Bettborn,
Bettenhausen, Bidburg, Bittenfeld, Büttstedt, die Pittenhardt, Pittersberg usw.
Flurnamen wie Bettelküche, Betenhau, Badstub, Badhäusle, Badgängle gehören
ebenfalls in diesen Bereich.Holder (Altkeltischer Sprachschatz) bezeugt Bidaio
und Badaio für einen Ort. Eine Straßenstation auf der Insel Frauenchiemsee wird
von den Römern Bidaium genannt und soll auf ein Heiligtum der drei Beten
hindeuten. Das keltische „Beda“ beinhaltet alleine schon den Aspekt einer
Muttergottheit. In Hofheim findet man die „Baitstoben“ und auch die Flur
„badelau“. Hier sind natürlich die Fälle ausgeschlossen, in denen das Bad oder
baden in üblichem Sinne gerechtfertigt sein könnte. Auch die Hofheimer „Mainau“,
läßt Rückschlüsse auf einen eventuellen Kultplatz zu, denn dieser Flurname
lautete früher Mayenau. Ein Flurname auf dem andernorts Kultplätze nachweisbar
sind.
Das
Wort „beten“ in seiner ursprünglichen Anwendung besagte „die Beten anrufen“. In
der ersten christlichen Zeit wurde das Wort beten durchaus dem heidnischen
zugeordnet, denn das Wort Bete-hus bezeichnet im Gegensatz zur christlichen
Kirche einen heidnischen Tempel. Heute wird das Wort verwendet ohne Erinnerung
an die Zeit da dieses Wort den Anruf der göttlichen Dreifaltigkeit unserer
heidnischen Vorfahren bedeutete. Auch in den Bittgängen der
Bittwoche, und dem Bittsonntag finden sich noch heidnische Urformen. Einmal
wendet man sich gegen den aus der heidnischen Zeit überkommenen Brauch, ein
heiliges Bild durch die Fluren zu tragen, und ein Kapitular aus der Zeit Karls
des Grossen verbietet allen Unfug und Scherz bei diesen Flurumgängen an den drei
„Beteltagen“: es sind die alten heiligen Tage der drei Beten. Verschiedentlich
wurden im Mittelalter die Beteltänze verboten. Die vielen mit dem Wort Bettel
zusammengesetzten Flurnamen bieten wertvolle Hinweise auf alte Kultstätten.
Vielfach wurden jungsteinzeitliche Kultplätze auch bei Kelten und Germanen
weitergeführt und häufig von der christlichen Kirche
übernommen.
Die Steinzeit hat wie fast jede spätere Kulturepoche in Hofheim ihre sichtbare Spuren hinterlassen. Steinzeitliche Spuren wurden beim Bau der Lerchenfeldsiedlung und beim Umbau der katholischen Kirche Peter und Paul gesichert. Ebenso Teile einer jungsteinzeitlichen Siedlung am Schmelzweg und ein Gefäß auf dem Kapellenberg. A.v. Cohausen verdanken wir die Kenntnis der Ringwälle am Kapellenberg. Hier wurde zwar vermessen und einiges entdeckt (Hügelgräber, Steingeräte, Keramik), doch eigentliche Grabungen haben bisher nicht stattgefunden. Hier könnte noch so manches zu Tage kommen. Die Wiederherstellung der Wallanlagen, oder eine Rekonstruktion des hier ehemals vorhandenen römischen Aussichtsturmes zu einem kleinen Freilichtmuseum, wäre über den Main-Taunus-Kreis hinaus ein weiterer Anziehungspunkt mit dem Hofheim seine ohnehin schon vorhandene Attraktivität noch vergrößern könnte. Mit Hilfe der Stadt Hofheim und des Hofheimer Geschichtsvereins entstand der knapp vier Kilometer lange Rundweg, der den Betrachter den Verlauf des Ringwalles auch heute noch an vielen Stellen deutlich erkennen läßt. Für die 650 Jahrfeier Hofheims wurde er 2002 wieder etwas aufgefrischt. Ein weiteres unscheinbares Denkmal das mehr Interesse verdient hätte, scheint mir jedoch die als Rundschanze bezeichnete „kreisrunde Umgrabung“ oberhalb der Kapelle, die mittig vom Königsteiner Weg durchschnitten wird. Dieser Bezirk mit ca. 70 m Gesamtdurchmesser, der von einer Palisade und Graben umhegt war, kann keine wehrtechnische noch praktische Bedeutung gehabt haben. Daher läßt sich leicht in der Anlage ein Heiligtum vermuten. Das Landesamt für Denkmalpflege mißt der Anlage gar eine vergleichbare Bedeutung mit den sogenannten henge-monuments zu.
In der jüngeren Eisenzeit, läßt sich mit den Kelten erstmals eine kulturtragende Volksgruppe identifizieren die ebenfalls in Hofheim ihre Spuren hinterließ. Auch bei den Kelten wurde die göttliche Triade verehrt. Die Kelten die sich auch mit germanischen Stämmen mischten, hinterließen das Land zwischen Rhein, Main und Lahn den Ubiern, die mit den Römern einen guten Kontakt pflegten. Später wurden sie von den Römern auf der linken Rheinseite angesiedelt. Ihren Platz übernahmen die Mattiaker, ein Volksstamm der Chatten. Mit Beginn der römischen Herrschaft, die in Hofheim mit dem Bau der Kastelle auf dem Hochfeld ihren deutlichsten Ausdruck hinterlassen hat, werden auch vielschichtige kulturelle Umwälzungen in Gang gesetzt. Für unser Vordertaunusgebiet war Mainz als Provinzhauptstadt zuständig, von wo aus auch für die entsprechenden Kastelle im Hinterland gesorgt wurde. Ein vicus wurde am Hochfeld, an der Hattersheimer Straße sowie am Schmelzweg nachgewiesen. Möglicherweise hatten sich auch schon Christen unter den Römern gefunden, denn S.Crescens als Mainzer Bischof wird schon im Jahre 80 n.Chr. genannt. Auf dem Weg zum Drei-Jungfrauen-Kult, begegnet uns ein vorchristlicher Kult, der im keltoromanischen Mittel- und Westeuropa sowie Oberitalien etwa 2000 Jahre nachweisbar ist: Die Verehrung der „tres matrones“ auch „tres matres“, von denen über eintausend Denkmalzeugnisse bekannt sind. Diese stammen aus der Zeit von 40 n.Chr. bis etwa 240 n. Chr. Meist sind drei Frauengestalten in sitzender Haltung dargestellt, die in ihren Händen Attribute der Fruchtbarkeit halten: Füllhörner, Obstkörbe, Ähren, Zweige und anderes mehr. Den Kopf der rechten und linken Figur bedecken große wulstige Hauben, die aber auch genausogut Scheiben für Sonne und Mond bedeuten könnten, zudem bei Weihesteinen im alten Rom selbst diese Hauben fehlen. Auch der Weihestein aus Mömling-Grumbach im Odenwald zeigt diese drei Frauen, wobei wie überall die mittlere Gestalt ihr Haar offen trägt, was auf eine unverheiratete Frau hindeutet.
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Auf
keltischem Siedlungsboden erwachsen, sind in diesen Kult gleichwohl verwandte
römische und germanische Vorstellungen eingegangen. Hier wurde ein Kult
vermischt, wobei bekannt ist, daß die Römer sehr gerne die Götter in den von
ihnen eroberten Gebieten ihren eigenen einverleibten. Die meisten Weihesteine
stammen aus dem sogenannten Ubierland -seit 38 v.Chr.- zwischen Rhein und Eifel,
und gehören mit zu den ältesten schriftlichen Zeugnissen von Germanen und
Kelten. Selbst ein Ambetgau (pagus Ambitivus) ist hier nachgewiesen und Sueton
erwähnt einen vicus Ambitarvius der bei Koblenz vermutet wird. Aber auch im Wort
Samstag lebt die keltische Göttin weiter. Es war ihr Tag, der 'S'ambeztac.
(Bonifatius forderte vom Papst vergebens
eine Samstagsmesse für die Jungfrau Maria, die in ganz Deutschland zu lesen sei.
Einer der missglückten Versuche die heidnischen Wochentage zu
ersetzen.)
Im
Vordertaunus dauerte allerdings die Zeit der Römer nicht lange. Das Hofheimer
Kastell wurde etwa um 110 n.Chr. geschleift. Um 260 n. Chr. wurde der Limes
unter dem Druck der germanischen Stämme aufgegeben. Mit dem Abzug der Römer fand auch das möglicherweise in Ansätzen in
unserer Gegend vorhandene Christentum mit Sicherheit ein Ende. Mainz wurde immer
wieder von Germanen überfallen, wie 368 von dem alemannischen Häuptling Rando.
Das Ende für Mainz als christlich römische Stadt kam im Winter 406/407, als
Vandalen, Sueben und Alanen den zugefrorenen Rhein dazu nutzten die Stadt zu
überfallen. Die Bischofsliste weist ab hier eine Lücke bis in die Mitte des
6.Jahrhunderts auf, was auch für unser Gebiet bedeuten würde, daß bisher noch
keine umfassende Christianisierung stattgefunden hat. Erst nachdem die Franken
die Alemannen besiegten und ihr König Chlodwig sich taufen ließ, wurde eine
planmäßige Christianisierung auch auf der rechten Rheinseite, durch die Franken
vorgenommen. Mit Sicherheit kann man nicht von einem zeitlich-räumlich genau
definierten Übergang einer vorchristlichen in eine christliche
Glaubensvorstellung ausgehen, sondern von einer mittelbaren Verchristlichung,
die durch Verdrängung und Ersetzung gekennzeichnet ist. Jedoch spätestens seit
dem 7. Jahrhundert kann man unser Gebiet als christianisiert betrachten. Das
bedeutet aber noch lange nicht, daß man auf alte Gewohnheiten und alten Kult
verzichtete. Wie sonst mußten irische und schottische Mönche auch in dieser Zeit
noch, christlichen Nachhilfeunterricht erteilen, wenn alte heidnische Bräuche in
der germanischen Bevölkerung wieder aufkamen. Selbst im 8.Jahrhundert hat dabei
noch mancher den Martyrertod erlitten.
Wir wissen, daß der Brauch, Matronensteine zu setzen, in der Mitte des 3. Jahrhunderts endete. Ein Fortleben von weiblichen Gottheiten läßt sich nicht in den im 19.Jahrhundert oft zitierten „Nornen“, sondern vielmehr in den „Disen“, deren Namen im weitesten Sinne „göttliche Frauen“ bedeutet, finden. Es fehlen zwar unmittelbare Zeugnisse über das Fortleben des alten heidnischen Glaubens, jedoch sprechen diejenigen die ihn im Rahmen der Christianisierung bekämpfen von machtvollen „virgines“ oder „sorores“, die nächtlich umgehen, denen Speiseopfer dargebracht werden und deren Erscheinen als schicksalsbestimmend gilt. Aus dem Jahre 408 in spätrömisch-frühchristlicher Zeit sind die Zaubersprüche von Marcellus von Bordeaux überliefert: „Tres virgines circumibant“ heißt es darin. Der hl. Eligius warnt 659, „niemand solle zur Nacht die Tische rüsten“, d.h. „für die drei“ Speisen bereitstellen. Als Zeitpunkt für den Kult wird der 1. Januar genannt, die Zeit der Julnächte, die ein germanisches Totenfest mit Tanz und Gelage waren. Der als Sonnwendfest gefeierte 24.Dezember galt bei den Angelsachsen als „modranicht“= „Nacht der Mütter“, wie der Kirchengeschichtsschreiber Beda um 700 überliefert. In den meisten keltischen Sprachen gilt der Weihnachts “tag“ als „Nacht der Jungfrau“. Auf das Fortwirken vorchristlicher Glaubensvorstellungen weist ein Dekret des Papstes Zacharias aus dem Jahre 743 hin: „Wenn einer die Kalenden des Januar nach dem Gebrauche der Heiden zu feiern sich unterstehen sollte oder des Neujahrs wegen.... einen Tisch mit Messern zu decken und Speisen auszulegen oder durch Straßen und Gassen mit Gesang zu ziehen, der sei verdammt. Das Verdammungsurteil scheint aber keine nachhaltige Wirkung gezeigt zu haben, denn um 1020 verfügt Bischof Burchard aus der alten Borbetstadt Worms in seinem Beichtspiegel: „Hast du geglaubt, wie es manche zu tun pflegen, daß jene, welche im Volke Parzen genannt werden, existieren oder imstande sind über das Schicksal eines Neugeborenen zu bestimmen“, ferner: „Hast du, so wie es manche Frauen zu bestimmten Zeiten des Jahres zu tun pflegen, in deinem Hause einen Tisch gedeckt mit Speise und Trank, und drei Messer hingelegt damit die „drei Schwestern“, die Herkommen und althergebrachte Torheit Parzen nennen, sich daran erquicken können? Diese Warnung des Wormser Bischofs steht im Kontext mit anderen Aberglaubensverdammungen, wie Zauber, Besprechen, Entrückung, Hexen, Waldweibern und einem Quell-, Baum- und Steinkult. Wir erfahren also, daß der Glaube an eine Dreiheit von schicksalsbestimmenden Frauen im Volk noch lebendig war. Fast zur gleichen Zeit wurde durch den Fund des Bleisiegels des Kölner Erzbischofs Pilgrim 1028 in Bettenhausen, ein christlicher Drei- Jungfrauen-Kult im Kölner Raum bezeugt. Wielenberg in Südtirol kannte schon im 11. Jahrhundert, zur Zeit seiner Kirchengründung eine kultisch verehrte Frauen-Dreiheit. Helden in Westfalen um 1150. Strassburg und Kloster Eschau schon vor 1000. Und noch im 13. Jahrhundert wetterte Berthold von Regensburg gegen die Sitte, für die „nachtvaren“ Speisen bereit zu stellen. Er gebraucht den gleichen Begriff „felices dominae“, der schon für die tausend Jahre früher verehrten „matrones“ üblich war. Während er noch wetterte hielten die drei Bethen längst Einzug in die christlichen Kirchen wo sie von hilfesuchenden Menschen angerufen wurden. In Metz gibt es einen Weihestein auf dem die drei Göttinnen mit Spindel und Rocken zu sehen sind und mit der Volksfrömmigkeit bis ins 18.Jahrhundert als die „Drei Marien“ verehrt wurden. Mit zunehmendem Druck der Kirche, die den heidnischen Aberglauben bekämpft, wird der vorchristliche Glaube zur Volkssage abgedrängt, wobei allmählich seine personenhaften, festumrissenen Konturen verloren gehen. Der mit ihm verbundene Kult ist aber im 11.Jahrhundert und teilweise noch erheblich länger in einzelnen Gegenden und Ortschaften wirksam. Auf jeden Fall gibt es hier Berührungen einer heidnischen Heiligentrias mit der Entstehungsgeschichte der drei „Bethen“. Wenn jetzt nur noch von den „Drei Jungfrauen“, den „Drei Seligen“ oder den „Drei Schwestern“ und nicht von „Drei Müttern“ die Rede ist, bedeutet dies, daß eine machtvolle und segenspendende Mütterlichkeit schon marianisch „besetzt“ und daher keiner, aus dem heimischen Volksglauben stammenden Tradition bedurfte. In der Zeit des Übergangs zum Hochmittelalter sucht die Kirche die noch vorhandenen vorchristlichen Glaubensvorstellungen durch den Heiligenkult zu verdrängen. Die am häufigsten verbreiteten Gegenangebote in ihrer Dreiheit sind „Fides, Spes und Caritas“, vor allem im Kölner Raum. Ortsnamen wie Frauenrath, Wilenberg, Bettenhoven, Frauweiler, Weilerswist, Bedburg verraten wo die inzwischen dort etablierten Fides-Spes und Caritas herkommen. In Meransen entnimmt man einem Visitationsprotokoll, von dem verunglückten Versuch diese Namen einzuführen. Das Volk wehrte sich und behielt seine Heiligen S.Ambet-S.Cubet-S.Quere in ihrer alten Dorfkirche, bis heute. Im keltisch- germanischen Gebiet erhielten Ambet, Borbet und Wilbet, über die es aberzählige Volksglaubenserzählungen gibt, das „Kleid“ einer christlichen Legende, die häufig noch mit der Legende der hl.Ursula, zur Absicherung verbunden wird. Wenn auch aufs Ganze gesehen die drei göttlichen Frauen aufgehoben wurden in „Unserer lieben Frau“, so treffen wir sie doch an vielen Orten in ihrer Dreifaltigkeit wieder an. Manchmal sogar unter Beibehaltung der alten heidnischen Namen. Die Kirche hat die alten Heidengötter umgetauft und mit neuen christlichen Namen in die Schar der Heiligen eingereiht. Wenn also die drei göttlichen Frauen der heidnischen Zeit mit ihren alten heidnischen Namen bis heute noch auf den Altären christlicher Kirchen und Kapellen stehen, so kann man annehmen, daß sie zunächst verschwunden waren und das Volk sich in späterer Notzeit der alten Helferinnen erinnerte. Den Sinn der Namen hat man wohl nicht mehr gekannt, andernfalls hätte die Kirche die Namen Wilbet-Ambet-Borbet nicht mehr durchgehen lassen. Das Sankt, welches unsere drei zu Heiligen macht scheint unbegründet. Findet man doch keine Legende, die man an eine Heiligsprechung zu knüpfen pflegt. Man ließ dem Volk seinen Glauben an die „drei heiligen Jungfrauen“, denn im übrigen war es auch keine große Sache. An manchen Orten wurden den Drei auch noch im letzten Jahrhundert Messen gelesen und Kollekten abgehalten. Bis in die heutige Zeit werden Kinder auf den Namen der Drei getauft. In den Zeiten der Pest scheint der Kult am größten, was darauf hinweist, daß bis dahin die sagenhafte Erinnerung im Volk an die „drei Beten“ gelebt hatte. Sie wurden auch weiterhin als Beschützerinnen vor Menschen- und Viehseuchen angerufen; ausdrücklich erwähnt wird dies in Leutstetten, Schlehdorf, Meransen, Essenbach, Schildturn und Adelhausen. Nach den großen Epedemien sucht man sie auf als Spenderinnen der Fruchtbarkeit für Familie, Haus und Hof. Hier schimmert wieder die ursprüngliche Mutternatur der drei Heiligen durch. So ist es auch nicht verwunderlich, daß es immer wieder Versuche gab die Drei durch weniger problematische Gestalten zu ersetzen. Eine Zusammenstellung nennt einundzwanzig Orte in denen die alten Namen der Drei noch heute in der Kirche als die Namen von drei christlichen Heiligen angeschrieben sind. In anderen Orten hat man den drei Jungfrauen neue Namen gegeben oder in einer noch größeren Gruppe neue Namen über die althergebrachten gepinselt. Ambet die an manchen Orten auch einzeln verehrt wird, hat unter den drei Frauen eine hervorgehobene Stellung. Denn sie ist ja die Älteste, die Allesmutter, die Erdmutter, so wie sie auch liebevoll von der Hofheimer Bevölkerung, wer weiß wie lange schon „Unsere Mutter Ambet“ genannt wird, die huldvoll ihre Gaben an die Bedürftigen verteilt. Es gibt in Hofheim etliche Versionen und Versuche die Herkunft der Ambet zu erklären, doch bisher scheint keiner schlüssig. Betrachtet man jedoch die neuesten Forschungen, drängt sich der Verdacht auf, daß es einen religiösen Hintergrund geben muß, obwohl eingestandenermaßen auch ein Restzweifel bestehen bleibt.
Die
Sagen der drei Fräulein wie die drei Beten auch genannt werden, sind fast immer
an Berge und Hügel geknüpft. Man hat in christlicher Zeit die alten heiligen
Berge auf sehr einfache Weise umbenannt, indem man sie Heiligenberg oder ähnlich
nannte. Gelegentlich ließen sich auch Umbenennungen durchsetzen, die mit dem
alten Namen der heiligen Berge scheinbar gar nichts mehr zu tun hatten, oder sie
wurden verteufelt und zu Hexenplätzen erklärt. Dieses Unheimlich- und
Verächtlichmachen trat nur dort ein, wo aus irgendwelchen Gründen eine Übernahme
der alten Kultstätte in den christlichen Dienst nicht möglich war. Als mit dem
aufkommen der Pest sich das Volk wieder längst aus der Übung gekommenen
Gnadenorten zuwandte und Glaubensinhalte der alten Zeit wieder aus dem Dunkel
heraufdrängten, wurden viele Kapellen zur Abwehr der Pest erbaut. In jener
grausamen Zeit entsann man sich wieder stärker auf die „Vierzehn Nothelfer“.
Neben elf männlichen Heiligen stehen die drei göttlichen Frauen. Sie heissen
jetzt Barbara, Katharina und Margarethe deren Attribute, mit denen der Matronen
und den drei Beten häufig identisch sind.
Das Bild der Nothelfer schmückte auch den Hauptaltar der 1481 sakrierten Pfarrkirche St.Peter und Paul. Einer der Seitenaltäre, war bis 1955 der hl.Katharina geweiht. Nach Margarethe wurde der steile Weg der zur Bergkapelle führt genannt. Häufig findet man auf den alten Kultplätzen Kapellen und Kirchen, die dem mächtigen Apostelfürst Petrus geweiht sind. Dieser ist an die Stelle der drei Jungfrauen getreten, und löscht alte Erinnerungen an die drei Bethen aus. So wurde z.B. aus dem ehemaligen Petenbrunn ein Petersbrunn oder aus Bethendorf ein Petersdorf. Das Verächtlichmachen des Berges scheint auch in Hofheim funktioniert zu haben. Denn in der Bittschrift des damaligen Pfarrers Gleidner vom 20.8.1666, bestimmte Gottesdienste in der neugebauten Kapelle abhalten zu dürfen, heißt es,“ .... auff ihren Berg ahm Stättlein gelegen, auff welchem vor alters die Räuber sich auffgehalten und dahero noch der Raubberg genent wird“. Der Eintrag in den Stockbüchern lautet allerdings auf Raupenberg. Passend dazu heißt es in einer alten Bauernregel; Wenn St.Rochus trübe schaut, kommt die Raupe in das Kraut. Die Kapelle wurde zu Ehren der hl. Jungfrau Maria und den beiden Schutzheiligen Rochus und Sebastian als Helfer gegen die Pest, errichtet. Der vorgesehene Name Carmelberg, hatte sich nicht durchgesetzt. Überall dort wo alte Kultplätze auf Bergen vermutet werden, erzählen die Sagen von immensen Schätzen in den Bergen, die von den drei heiligen Jungfrauen bewacht werden. In der Hofheimer Altstadt kursiert die Sage vom „Goldenen Kalb“, jenem Schatz der am Fuße des Kapellenberges versteckt sein soll. Hierzu gibt es die Erklärung von H.C.Schöll, der im sinnentfernten Wort „kalp“ eine der 3 Bethen sieht. Auch von unterirdischen Gängen wird erzählt. Verhältnismäßig oft werden in den drei Jungfernsagen Hunde erwähnt, welche die Schätze oder auch die Jungfern selbst bewachen. Auf dem Kapellenberg gibt es die Flur „Im Hundshag“. (Für „hunt“ lautet eine weitere einschlägige Bedeutung: verborgener Schatz). Flurnamen wie „Hölle“, „Paradies“, „Himmel“ deuten auf vorgeschichtlich bedeutsame Plätze, vor allem auf Hügelgräber und Urnenfelder. In Hofheim wird noch 1457 „daz Hymmelrich“ genannt. In manchen Kirchen wurde die Ambet durch die hl.Perpetua oder die hl. Felicitas ersetzt. Manchmal sieht man auch beide zusammen auf den Altären. Perpet-ua und ihre Sklavin Fel-icitas starben gemeinsam den Martyrertod obwohl Felicitas erst zwei Tage vorher ein Kind entbunden hatte. Deshalb werden sie auch um Fruchtbarkeit und bei Geburtsnöten angefleht. Diese beiden stehen auch auf dem Altar in der früher genannten Einbettenkapelle bei Gengenbach/Baden. An wessen Stelle sie getreten sind wird klar, wenn man weiss, daß zwischen ihnen „Sancta Einbetta“ abgebildet ist. Unschwer erkennt man Einbett (Ambet) mit Vil-bet und Bor-bet. Die Kapelle ist heute Petrus und der Mutter Anna geweiht. Aus einer Beschreibung der Hofheimer Pfarrkirche geht hervor, daß auch hier Reliquien der hl.Felicitas aufbewahrt werden. Noch heute gilt in der katholischen Kirche der 16.September, als Tag der heiligen drei Jungfrauen Ambet, Wilbet und Borbet . Ob die Ambet sich seit Kelten- oder Römerzeiten im kollektiven Gedächtnis der Hofheimer befindet, oder sich erst seit dem Mittelalter in Hofheim etabliert hat, kann bisher niemand mit Gewissheit sagen.Auf jeden Fall gleichen sich in verblüffender Weise die über Hofheim gesammelten Kenntnisse mit anderen Orten, in denen der „drei Frauenkult“ längst belegt ist. Es stellt sich die Frage ob es denn überhaupt sein kann, dass sich die Verehrung einer Muttergottheit über Jahrtausende erhalten hat? Zumindest in ihrer dreifaltigen Gestalt, wie die Beispiele zeigen. Und ihre Aufgaben waren über Jahrtausende hin immer die gleichen, wie auch die Sorgen der Menschen sich immer um die gleichen Dinge drehten: Sonnenschein, Regen, Feld, Vieh, Fruchtbarkeit, Gesundheit, Geburt und Tod. Besonders in schwierigen Zeiten wendete man sich an die Mütter, hatten sie nicht immer schon geholfen? Dieses Wissen darum, wurde von Generation zu Generation weitergegeben. Während einige Autoren betonen, daß der zeitliche Abstand zwischen vorchristlichen Belegen und den ersten Nachweisen eines christlichen Drei-Jungfrauen-Kultes mindestens gegen eine unmittelbare Abhängigkeit spreche, bejaht die große Mehrzahl der Autoren einen vorchristlichen Einfluß oder vorchristlichen Ursprung.
Der Verfasser will mit diesem Beitrag lediglich eine Zusammenfassung der letzten Forschungsergebnisse zum Thema wiedergeben. Erfreulich wäre es allerdings wenn ich einen Anstoß dazu gegeben hätte, daß sich Wissenschaftler mit der Hofheimer Ambet beschäftigen würden. Es gibt in der Literatur noch etliche Beispiele, die im Vergleich zur mythologischen Landschaft Hofheim noch Interessantes zu Tage bringen könnten. Hierzu zählt der „Rosenberg“, der „Rossert“, das „rote Haus“ und die im Volksmund so genannte „Rosengasse“. Die Fluren Bodenlaben, Heide, Hallwiel, Heidenäcker, Heidenchaussee, Heidenmauer und „harte Erde“. Der „graue Stein“ am Kapellenberg, der Heiligenstock (Heidenstock), der Gickelsberg, auf der Ruhebank, der Pfingstborn und letztendlich das „Klingenbörnchen“, aus dem der Sage nach der Storch die Hofheimer Kinder holt. Eine weitere informative Seite zum Thema finden Sie hier.
Quellenangabe: Ruth Hecker:
Am Anfang war die Frau; Christa Lüders in Hofheimer Zeitung, Sonderbeilage zum
642. Hofheimer Markt; Nyssen/Sonntag: Der Gott der wandernden Völker; Sophie
Lange: Wo Göttinnen das Land beschützen; Sigrid Früh: Der Kult der drei heiligen
Frauen; H.Göttner-Abendroth/Kurt Dehrungs: Mythologische Landschaft Deutschland;
Rolf Kubon/Günter Rühl: Vorgeschichte Hofheims; Hans Ulrich Colmar: Das älteste
Hofheimer Gerichtsbuch; Geschichts und Altertumsverein: Hofheimer Chronik, Heft
2; Fritz-Rudolf Herrmann: Archäologische Denkmäler in Hessen
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